Samstag, 10. August 2013

"Was ist das Neue Jerusalem?"



Heute hat es zum ersten Mal seit mehr als 3 Monaten zu regnen begonnen. Ach war das herrlich. In diesen drei Monaten durchlebten wir die heißeste Zeit in Uganda. Es war wirklich drückend Heiß bis zu 38°C und staubig. Die Straßen waren zum Teil mit bis zu einer 10cm dicken Staubschickt bedeckt, so dass wir nicht mehr davon sprachen in den Dienst zu gehen, sondern „Vamos a la playa“.

Mit Afrika sind viele Klischees verbunden, die wir zwar absolut verstehen können, doch auch darüber lachen müssen. Hier möchten wir eines aus dem Weg räumen. Die Behausung. Vielleicht interessiert es einige wie wir eigentlich wohnen.

Hier einige Bilder.

Unser Wohnzimmer von der Eingangstüre aus betrachtet, links hinten führt es zum Bad und zum Schalfzimmer

Unser Wohnzimmer von der Küche aus - für 120.- Franken im Monat ein wahres Schmuckstück!
Unsere Aussicht... Fast wie in Kriens, nur leider ohne Pilatus...




Wir haben seit drei Wochen auch noch ein neues Familienmitglied, die junge Katzenfrau „Anuque“. Sie wurde uns von einer Schwester direkt aus dem Predigtdienstgebiet gebracht. Es war so schön und doch überraschend. Wir hatten vor Monaten einmal unter den afrikanischen Brüdern geäussert, dass, wenn sie eine junge Katze hätten, wir uns gerne einer annehmen würden. Und Taraaaa. Da war sie. Anfangs völlig verängstigt. Heute absolut verspielt. Es ist so etwas wunderbares zu beobachten wie genial Jehova diese Tiere erschaffen hat. Sie ist so pflegeleicht und weiss sich zu beschäftigen, und trotzdem so anhänglich und zum Schmusen bereit. Eine wunderbare Weggefährtin. Wir haben sie sehr gern bekommen.

 





















Brucella Abortus

Carmen leidet seit März an einer Infektionskrankheit, die über Kuhmilch übertragen wird, die Stäbchenbakterien nisten sich ein und verursachen malariaartige Symptome. Sie lassen sich zwar leicht nachweisen, doch nur schwer bekämpfen, da sie dem Imunsystem simulieren, "tot" zu sein. Das gefährliche aber an dieser Krankheit ist, dass sie die Nieren, die Leber und schließlich das Herz angreift, was Schlussendlich zum Tod führt.

Hier in Mbarara sterben viele an dieser Krankheit. In Europa ist sie besser unter dem Malta- oder Mittelmeerfieber bekannt.

Wie auch immer. Wir sind froh, dass Carmen nun seit bald 6 Wochen Antibiotikum erhalten hat und für 10 Tage Infusionen. Dies ist zwar Mühsam und Schmerzhaft, doch ist es die beste Therapie die es hier in Uganda gibt. Wir versprechen uns ein gutes Resultat. Wenn aber nicht… Dann kommen wir Mitte September nach Hause um sie zu kurieren.

Das Gute an allem ist, dass wir wissen, was sie hat und es bekämpfen können. Doch ist es schon manchmal beunruhigend, wenn man nicht genau weiß weshalb es einem so schlecht geht und der Partner leidet ja mit.

Diese Speziellen Krankheiten sind halt eine der negativen Seiten in Afrika. Doch wir bedauern nie, dass wir hierhergekommen sind. Ja, es ist und war uns bewusst, dass das Risiko, sich hier eine Infektionskrankheit zuzuziehen, um ein vielfaches grösser ist als in Europa. Doch wenn man sich immer nur auf das Negative und hinderliche konzentrieren würde sollte man am besten nie aus dem Haus gehen…


Wir wollen damit nicht sagen, dass wir ohne Rücksichte auf Verluste einfach weiterpredigen… Es sind halt einfach unvorhergesehene Dinge die uns da trafen.



Momentan stehen wir in den Bezirkskongressvorbereitungen. Carmen und ich haben für das Freitagsdrama eine Rolle gefasst. Eine vorwitzige und überhaupt nicht einfühlsame Nachbarin und ein Business-orientierter Chef. Es ist sehr spannend, da niemand von der ganzen Crew Erfahrung im Einstudieren eines Dramas hat. Wir lachen so viel. Es tut gut und es hat eine gute Gruppe aus uns gegeben.



Carmen, Margarit und David Katsigazi und der Directer Clinton Polley

Andrea Polley (Keren- Happuch) und Carmen am üben...
"Bring more Emotion... I would like to see more Emotion... Come on... I know you can it better..."

















"Ich weiss nicht ob ich dich noch halten kann..."































































Ich darf am Bezirkskongress im Sound mithelfen. Obwohl… Ich und Elektronik passen etwa so gut zusammen wie eine Schneeschaufel und Fußball. Nicht Fragen, einfach tun. Wir sind uns für nichts zu schade. Doch diese Aufgabe wäre schwer zu bewältigen. Die Kongressorganisation beauftragte uns eine Fläche von ca. 50% des Hallenstadions mit 5 AutoradioLautsprechern zu beschallen!!! Nun ja, da musst du nicht Akkustiktechnik studiert haben um zu wissen, dass dies praktisch unmöglich ist.


Zu unserer Erleichterung hat nun das Bethel angekündigt, dass sie für uns eine komplette Beschallungsanlage mit Mischpult, Verstärkern, und Lautsprechern kaufen, und allem was so dazu gehört. Das lässt uns wieder etwas ruhiger schlafen.



In den letzten Wochen sind immer mehr Weiße gekommen. Sogenannte „Need Greaters“. Momentan sind wir 14 Japaner, 2 Holländer, und 2 Schweizer. Dies erregte zu großes Aufsehen unter der Bevölkerung. Wenn du plötzlich 13 Weiße und ein oder zwei Schwarze in ein Gebiet gehen siehst, dann wurde der eine oder die andere stutzig. Es wurde einfach zu viel Misstrauen geschürt. Deshalb haben unsere Ältesten beschlossen die Morgentreffpunkte abzusetzen und stattdessen am Dienstagnachmittag und Donnerstagabend einen Treffpunkt einzuführen. (Treffpunkte dauern so 10 bis 15 min. und es wird ein ermunternder Gedanken aus der Bibel besprochen, der im Dienst gebraucht werden kann, ein aktuelles Literaturangebot vorgestellt und demonstriert oder einen üblichen Einwand erklärt und überbrückt, danach wird ein Gebet gesprochen und anschließend von Haus zu Haus gepredigt)


Was jedoch für Ostafrika ganz neu ist, ist das Austeilen persönlicher Gebiete. Jeder Familienvater sollte sich für sich und seine Familie ein persönliches Gebiet holen, für dessen gründliche Bearbeitung innert 4 Monaten er verantwortlich ist. In vielen Teilen der Erde ist dies das normalste der Welt, doch hier hat es doch ein großes „Hallo“ ausgelöst, da weder die Afrikaner, noch die meisten Japaner, wissen, wie man ein persönliches Gebiet bearbeitet.


Doch es ist nur zu unserm Besten. Nun kommt Leben in die Versammlung und es werden eifrig Abmachungen getroffen. In einigen Monaten wird es auch hier ganz normal sein.



Nochmal zurück zum Regen. Es ist ja schon interessant wie einfach und bescheiden das Leben hier eigentlich ist. Doch Wasser ist und bleibt, der Lebenssaft des Menschen. Als gute Schweizer haben wir uns selbstverständlich einen Wasservorrat von fast 150 Litern und 120 Liter Trinkwasser angelegt.

Wir haben Vorräte an Reis, Kartoffeln, Mehl, Zucker, Salz und Pasta, sowie anderer haltbarer Lebensmittel.


Trotzdem ist es schockierend zu sehen, wie scheinbar ganz normale Menschen zu Tieren werden, wenn das Wasser knapp wird, oder gar ausgeht. Dies war kürzlich wieder einmal der Fall. Doch diesmal ernsthaft. Gewisse Teile der Stadt hatten über zwei Wochen kein Wasser und keinen Storm(!!!) Es war Streit in der Luft auf den Marktplätzen und die Leute kämpften förmlich um Kanister oder Flaschen mit Wasser.

Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Wir wurden zum Glück ziemlich verschont, dank unserer Vorbereitungen. (Was übrigens nicht nur unser Verdienst ist, sondern uns vom Bethel empfohlen wird und Missionarstandart ist.)




Nicht nur im wirklichem Sinne tut der Regen gut, auch im geistigen Sinne werden die Felder hier von Jehova wunderbar beträufelt. Es ist herzerwärmend zu sehen wie Jehova das Erntewerk hier segnet, wir hatten in den letzten 10 Monaten im Westen Ugandas 8% Mehrung, was enorm erfreulich ist.


Heute zum Beispiel durfte ich einen Rückbesuch bei einem Mädchen machen. Ihr Bruder war heute auch dabei. Terry und Kerry heißen die beiden und sind 9 und 8 Jahre alt. Letzen Samstag habe ich eine „Höre auf Gott“-Broschüre zurück gelassen.


Beim heutigen Besuch repetierten wir das gelernte von letzter Woche.' Name Gottes und weshalb so wichtig '. Ich schlug die Broschüre auf und fragte, wisst ihr weshalb es heute so vielen Menschen schlecht geht? Kopfschütteln. Anhand von Fragen betrachten wir die Seiten über Adam und Eva, Sündenfall, Unvollkommenheit und schließlich Tod. „Sind die denn jetzt in der Hölle?“ fragte Kerry. „Nein, es gibt keine Hölle.“ Anhand der üblichen Schriftstellen erklärten wir ihnen den Zustand der Toten und die Auferstehungshoffnung. Der ganze Besuch dauerte vielleicht 20 Minuten und die beiden schienen sehr zufrieden zu sein. Ich schloss meine Bibel und wir verabschiedeten uns.


Auf der Schwelle sagte Kerry „Kann ich sie was fragen, Sir (wenn sie das sagen komm ich mir immer so alt vor)?“ „Ja, nur zu“; „Was ist mit all denen, die wirklich schwere Sünden begangen haben, werden die auch auferweckt?“ (Er ist erst 8) Unsere Bibeln waren schnell wieder am Tageslicht und Römer 5:12, 6:7 und 23 gelesen, erklärt und besprochen. Es war ein so schöner Besuch, ja wirklich herausragend unter allen anderen ohnehin schon schönen Besuchen. „Gut, habt ihr sonst noch etwas auf dem Herzen, eine Frage, eine Unklarheit?“ Ganz schüchtern erklang die zarte Stimme von Terry (sie ist 9), „Sir, ich hab da was gelesen…“ Sie nimmt mir die Bibel aus der Hand (was wir sonst nie erlauben), und findet in zwei Zügen Offenbarung 21: 2 und hält sie mir unter die Nase und fragt. „Was ist das Neue Jerusalem“….


Meine Partnerin Adrine und ich schauen uns erstaunt an… Das gibt es ja gar nicht. Wauh! Das haben wir beide ja noch nie erlebt. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass wir hier von Haus zu Haus erklären, dass das Neue Jerusalem Jehovas himmlische Regierung darstellt und nichts mit einer Stadt im Nahen Osten zu tun hat. Doch noch nie einer 9 Jährigen. In Vers 3 und 4 zeigten wir ihr dann die Aufgabe und die Auswirkungen dieser himmlischen Regierung. Sie war mit dieser Erklärung zufrieden… Aber es kommt noch besser…


Kerry nimmt ihr die Bibel aus der Hand und blättert eine Seite zurück, hält sie uns hin und meint. „Aber wer ist der Falsche Prophet?“ Wir sind in lautes, begeistertes Lachen ausgebrochen, denn es ist einfach herrlich zu sehen wie diese Kinder die biblischen Botschaft wie Schwämme in sich aufsaugen. Meine Güte war das Herrlich!!!!

Der Rückbesuch wurde auf dieses Thema vereinbart! Mann! Der ist erst 8 Jahre alt!!! Ich werde mich darauf vorbereiten und bin gespannt ob er sich mit der „Kinderversion“ zufrieden geben wird, oder ob wir da noch wirklich anderes Geschütz auffahren müssen...

Ich denke es ist offensichtlich. Langeweile kennen wir hier nicht. Es gibt immer was zu tun... Juppidaiai....

Samstag, 22. Juni 2013

Die 209. Sprache



Dieses Wochenende hatte ich weidereinmal das große Vorrecht einen Vortrag zu halten. Mir wurde das Thema „Teilst du Gottes Ansicht über das Leben?“ zugeteilt.





Liebe Freunde aus der Schweiz haben uns einen Glasdiamanten geschickt, den ich unmöglich in Afrika auftreiben konnte (Sierra Leone ist zwar nicht so weit entfernt, doch das ist eine andere Geschichte), aber unbedingt brauchte. Es ging um die Veranschaulichung wie kostbar, ja einzigartig unser von Jehova geschaffenes Leben ist. Es ist hier nicht so üblich visuelle Hilfsmittel zu verwenden und deshalb war es im Saal totenstill, als ich dem Übersetzer das „Geschenk“ reichte, um es aufzumachen.

Der Diamant fand großen Gefallen und das Thema ließ viel über ihre eigene Einstellung nachdenken. Wir haben immer 50% und mehr Anwesende als Verkündiger sind, was immer eine große Freude ist.






Ich hatte Dennis eingeladen, den Studenten, der nicht gehen kann, das heißt, sich auf allen vieren fortbewegt.

Ich gab ihm im Vorfeld 2000 Shilling, damit er mit dem Bodaboda kommen könnte. Doch als ich ihn am Sonntag anrief, war er mit seinem Tretrollstuhl bereits in der Nähe des Saales. Er sitzt da in einer Art Rollstuhl, der eine Nabe hat an welcher ein drittes Rad angemacht ist, das via eine Velokette und den Handpedalen angetrieben wird. Als ich so auf das Eingangstor des Königreichsaales zuging sah ich ihn von weitem „daher radeln“ kommen.

Seine prächtigen Muskeln glänzten in der Sonne. Ich habe ja schon immer gerne Muskeln gehabt, das ist auch der Grund, warum ich damals mit 6 Jahren Schmied werden wollte. Doch solche Arme habe ich beim besten Willen noch nie gesehen. Da erblassen alle Bodybuilder, denn diese Muskeln sind definitiv ohne Steroide erzeugt.

Dennis hat sich in der Versammlung sehr wohl gefühlt und war begeistert, wie viel die Bibel gebraucht wird und nicht nur daraus gelesen sondern auch erklärt wird.

Es ist immer so schön, die Begeisterung der Studierenden zu sehen, wenn sie den Vergleich zwischen der Versammlung und andern Gottesdiensten ziehen können.


Ich fragte mich aber im Nachhinein für vielleicht 3 Sekunden, was er wohl mit den 2000 Shillings gemacht hat, die ich ihm für den Transport gegeben hatte. Nicht dass es mir ums Geld geht, aber wir geben Bibelstudierenden prinzipiell nie Geld. Zu viele schlechte Erfahrungen und zu viele Enttäuschungen. Doch ich leis es bleiben und wandte mich wichtigerem zu.


Am nächsten Tag. Montag. Zeigten wir Dennis das DVD über die weltweite Bruderschaft. Er interessierte sich vor allem für die Saalbauten. Nach der Vorstellung war er so begeistert und drückte dies mit vielen Worten aus. Und da erwähnte er auch, dass er sich überlegt hatte, was er mit den 2000 Shillings machen solle. Er meinte, "wenn ich sie für den Transport brauche, kann ich nur einmal kommen, doch wenn ich sie in die Reparatur meines „Bisycles“ (so nennt er sein Fortbewegunsgerät) investiere, kann ich immer wieder kommen. Dies tat er und ich schämte mich so, dass ich nur schon darüber nachgedacht hatte, was wohl mit dem Geld passiert war…



Auch Annette kam mit ihrem Mann und den zwei Buben. Der Mann, Nick, hatte sogar den Wachtturm vorbereitet und gab einen schönen Kommentar. Es war seine allererste Zusammenkunft. Doch er war so begeistert und fühlte sich so wohl. Er wäre nicht das letzte Mal hier gewesen meinte er.


Er schwärmt ohnehin für uns Zeugen Jehovas. Diese Woche kam im Fernsehen eine Reportage über Nelson Mandela, dem es ja zur Zeit gar nicht gut geht. Über seine jungen Jahre als Politiker wurde berichtet, dass er sich für eine Zeugin Jehovas interessiert hatte, die ihm jedoch sagte, dass sie ihn nicht heiraten könne, da er in der Politik aktiv sei.


Dies beeindruckte Nick so sehr, denn in Afrika, bemüht sich jede Frau einen möglichst reichen Ehemann zu ergattern. Dass unsere Schwester einem so prominenten und reichen Politiker eine Korb gab, konnte er fasst nicht fassen. „Die Zeugen Jehovas müssen ja einen unbeschreiblich starken Glauben haben“, meinte er.


Die Lehrerin ihrer Tochter Catherine hatte letzte Woche angerufen. Mit Catherine stimme etwas nicht mehr. Sie sei im Religionsunterricht so kritisch, wiederspreche und sei nicht mehr so motiviert. Sie zweifle einige Dinge an….


Annette sagte ihr nicht, dass sie mit Zeugen Jehovas studiere, sonst hätte die Lehrerin zu sehr Druck auf Catherine ausgeübt.



Annette’s Fortschritte machen uns wirklich sehr große Freude. Ohne ein Wort unsererseits, nachdem sie den Anhang über das Kreuz gelesen hatte, trennte sie sich von ihren beiden Kreuzanhänger, die sie trug. Sie hatte erkannt, dass es nicht mit der Bibel vereinbar ist, diese zu tragen.


Was ist eigentlich aus all den Freunden geworden, die ihr via Blog schon kennengelernt habt?


Sonja, das Mädchen, gehört nicht dazu.
David Katsigazi. Er hat geheiratet. Eine liebevolle Schwester aus Kabale. Margaret. Sie ist eine eifrige Schwester, die immer wieder als Hilfspionier dient. Sie ist sehr ehrgeizig, denn wenn sie zwischen 30 und 50 Stunden wählen kann, dann wählt sie 50. Carmen bot ihr an sie mal mit in den Dienst zu nehmen, damit sie „chli Stonde mache cha“. Sie waren 9 Stunden im Dienst, was für unser Klima hier wirklich die Schmerzgrenze ist. Margaret war am nächsten Tag zwar wieder auf den Beinen, doch musste sie Schmerzmittel nehme um ihren Muskelkater zu bekämpfen… Dieses Ereignis hat Carmen den Spitznamen „Sister-killer“ eingebracht. Aber das ist natürlich nur als Scherz gemeint.

Zurück zu David. Er ist immer noch Übersetzungsbüroaufseher und leitet ein nun 8 köpfiges Übersetzungsteam. Dieses arbeitet 160 Stunden im Monat an neuer Biblischer Literatur. Ein absoluter Meilenstein ereignete sich diesen Monat...


Der Wachtturm in Runyankore – die 209. Sprache


Für Juli haben wir die Öffentlichkeitsausgabe des Wachtturms in Runyankore erhalten. Es ist eine Kombination aus augewählten Artikeln der englischen Ausgabe und allen Studienartikeln. So ist eine weitere Sprache ist erschlossen.

Stellt euch die Freude unter den Brüdern und Schwestern vor. Manche von ihnen haben 20 Jahre auf diesen Moment gewartet. Mit Tränen in den Augen drückte eine Schwester ihren Wachtturm an die Brust und gab ihrer Freude vollen Ausdruck.

Stellt euch vor, wie es wäre, wenn alles, was du über Jehova weißt, du in einer Sprache gelesen hast, die nicht deine Muttersprache ist. Das Englisch Simplified war für viele bereits eine enorme Erleichterung, doch nun endlich. Der Wachtturm, er verkündet Jehovas Königreich nun auch in RR (die theokratische Abkürzung für alle Literatur in Runyankore).

Den Königreichsdienst (Faltblatt für organisatorische Angelegenheiten und Anweisungen für den Predigtdienst, er wird nur an aktive Zeugen Jehovas abgegeben) gibt es seit Februar dieses Jahres. Zur Zeit arbeiten die Übersetzer an den griechischen Schriften der Heiligen Schrift.

Es ist interessant hinter die Kulissen eines Übersetzungsbüros zu sehen. Sie sind zum Beispiel im Wachturm immer 5 Monate voraus. Die Übersetzer arbeiten meistens in dreier Teams und es wird ein vierter „Proof-reader“ (Gegenleser) hinzugezogen um wirklich jegliche Fehler auszumerzen.

Ist es nicht toll wie wunderbar alle diese Brüder arbeiten? Keiner von diesen besuchte die Universität, keiner von ihnen hat irgendwelche Diplome in Linguistik. Aber Jehova gebraucht sie. Jesus drückte es so schön aus, als er sagte: „Ich preise dich öffentlich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du diese Dinge vor den Weisen und Intellektuellen verborgen und sie Unmündigen geoffenbart hast. . .(Matthäus 11:25)


David ist ein viel beschäftigter und gefragter Mann, denn er dient zugleich als Wachtturmstudienleiter, Sekretär, Dienstaufseher, Schuldiener und Koordinator der Ältestenschaft (All dies sind Dienstämter, die zum Wohl, zur Belehrung und zur Organisation einer Versammlung beitragen). Ja im Moment, weil Hideki, unser anderer Ältester noch für 3 Wochen in Japan weilt, ist er ziemlich ausgelastet. Aber er macht seine Arbeit sehr gut und ist immer für ein Wort zu haben. Er hat auch gelernt zu delegieren. Wir lieben ihn sehr. Er ist ein enorm scheuer, unauffälliger und absolut demütiger Mann. „Katsigazi“ bedeutet in Runyankore „Jüngling“. David hat ein sehr großes Charisma. Es gehen Gerüchte um, dass er körperlich enorm stark ist, was von seiner Vergangenheit auf den Feldern in Ibanda herrührt. Und das stimmt`

Er ist der der Armin Beetschen von Uganda. Sehr unscheinbar, sehr demütig, aber enorm viel Verantwortung.



Dann wäre da Asumpta. Sie ist immer noch im Übersetzungsteam, aber nicht mehr als einzige Frau. Sie sind nun zu dritt. Sie liebt den Dienst so sehr und so ist für sie recht schwer im Bethel, da sie da weniger im Dienst stehen kann. Doch sie dient gern in ihrer Zuteilung und ist immer fröhlich und hilfsbereit. Sie ist eine enorm großzügige Schwester. Wenn wir im Bethel einen Besuch machen, kannst du das Bethel kaum ohne etwas zu essen von Asumpta verlassen.

Sie hat eine heftige Vergangenheit. Von ihrer Religion nicht ernstgenommen, von ihren Verwandten ausgenutzt und verachtet, von der Schule verwiesen, da ihre Schulgebühren nicht bezahlt wurden. Einmal wurde ihr alles Geld gestohlen und einmal raupte ihr ein Feuer alle Besitztümer. Doch all dies hat sie, wie sie selbst sagt, mit Jehovas Hilfe überstanden und ist heute glücklicher und behüteter denn je.



Und Jefferson ist immer noch der kleine, zarte, scheue Junge. Doch seine Lesetechnik hat sich enorm verbessert. Er liest schön moduliert, flüssig und sein Stimmchen ist zu einer Stimme geworden.

Er ist ein guter Junge. In der Schule nennen ihn alle „Pastor“, weil er immer predigt und Traktate verteilt. Vier seiner Schulkollegen sitzen jeden Sonntag in der vordersten Reihe in der Versammlung und geben gute Kommentare. Ja, ich fragen uns manchmal, ob wir mit 12 Jahren auch schon so freimütig und unerschrocken für die Wahrheit eingestanden wären…








Die Brüder hier sind uns sehr ans Herz gewachsen. Sie sind zwar von der Kultur her völlig anders als wir, doch ist es der gemeinsame Glaube, der uns zusammenhält und uns vereint. Dies ist unbeschreiblich schön. Wir sind gerne hier und laden jedes Wochenende andere Brüder und Schwestern zum Essen ein. So lernen wir alle viel besser und schneller kennen.







Hier noch ein paar Eindrücke, die uns interessant erschienen...

Ein typischer Kleider Markt. Da löst sich förmilich die Netzhaut...






Während diesem Markt, haben wir eine wahren Mähdrescher kennengelernt....


"Big is Beautiful..." Das sagen zumindest die Afrikaner









Wir werden immer wieder vor Fallen gwarnt, die Satan braucht um uns zu verführen.
Hier ist eine Heuschreken Falle abgebildet. Im Moment ist Heuschrekensaison. Wir spielen also Johannes der Täufer und... na ja, wir probieren Heuschrecken zu essen. Es ist sehr speziell, doch enorm proteinhaltig...
Aber es gehört definitiv nicht zu unserem Tagesspeiseplan...

Das Licht zieht die Heuhschrecken an, sie möchten sich auf den Blechen niederlassen rutschen aber in die darunter montierten Plastiksäcke und werden gefangen. Am nächsten Tag, reissen hunderte von Frauen den noch lebenden Heuschrecken die Beine und Flügel ab und kurz danach werden sie im heissen Öl fritiert...



Bis bald und geniesst euren Gruyère, euer "Cord en bleu", euren Salat, oder was es sonst noch alles so feines zu essen gibt... Ach wir müssen aufhören...